31.10.21

die spielenden kinder im traum

[gespräch mit ana an einem sehr nebligen morgen nach der halloween-nacht]


die träume, die du damals hattest, von denen du jetzt nicht mehr sicher bist, ob sie nicht ein ausdruck einer geisteskrankheit waren oder von deiner extremen naivität zu dieser zeit, diese träume, vor denen du flüchtest, als wären sie gefährlich und toxisch und vielleicht sogar tödlich

das waren doch gute träume, oder?

verdammt nun sag endlich was

schweigst schon seit jahren

zockst nur, sammelst dolls (das beste dran, wenn du mich fragst), gehst immer dorthin, wo du sicher bist, dass sie dort nicht sind, die träume und die menschen, die träumen. und ja, es ist ein leben, kann man wirklich so sagen, ohne scheiss, und manchmal trägst du sogar ein lächeln auf deinem gesicht, lachst, viel sogar (wenn m. da ist und ihr zockt und scheisse macht und wie kinder drauf seid) und das würde wohl für ein ganzes leben reichen, stimmt's? absolut. und jeder, der das nicht so sieht, ist wohl undankbar und kann nichts vom guten in seinem leben schätzen. du bist fast glücklich.

fast.


es kommt der zeitpunkt, an dem die träume und somit auch die träumer sich  ändern. menschen,die träumen, sinken anscheinend hinab in die tiefste hölle. sie werden versuchen, dich zu verletzen und egal was auch immer du fühlst, sei keiner von ihnen. vertrau ihren worten niemals. sie lullen dich ein, wie sirenen, manche von ihnen wissen nicht einmal, was sie tun oder im begriff sind, zu tun. ich weiss, das wolltest du nicht hören, ana. ich weiss, meine worte werden zu düster, zu traurig und vielleicht fehlt es mir auch an hoffnung im moment. ich weiss nur eins - vertrau ihnen, liebe sie, und du wirst schlimm enden. sie zerfetzen dein herz in stücke. sie wissen nicht, wann es genug ist, sie vermeinen zu spielen. für sie ist alles ein traum, ein spiel. und sie, die spielenden kinder im traum, in der hölle, zerstören ringsum jeden, der es zulässt. verstehst du? das gefährlichste im leben ist der traum. denn was wissen wir schon von ihm? nur dass er uns leiten kann, wie eine muse oder dieser absolut irre stern von bethlehem,  in ein land, das wundervoll ist, wo wir aufhören, zu leiden und zu grübeln, wo wir endlich zuhause sind. wo wir echte freunde finden, mit denen wir das ganze leben planen. wo wir lieben und geliebt werden, für immer. wo wir menschen finden, die immer das gute in uns suchen und auch finden, und wir tun es ebenso. 

was aber passiert, wenn der traum sich umkehrt und genau das gegenteil davon wird? wer ist dann auf deiner seite, ana? wenn es nicht du selbst bist, ist es niemand. weil du allein bist, grauenhaft allein, wie niemals zuvor in deinem leben. das wäre dann der punkt, an dem man beginnt, zu schweigen, nicht mehr zu träumen, keine gedichte mehr zu schreiben, nicht mehr im mondlicht zu träumen, extremst viel zu arbeiten (am besten den ganzen tag), einzukaufen, einzukaufen einzukaufen

nach dieser langen zeit fällt mir einiges auf, an mir, meinem innenleben. weisst du, was seltsam ist? ein teil unserer persönlichkeit, der seele vielleicht, setzt sich wirklich aus träumen zusammen. man nimmt sich selbst viel weg, wenn man in sicherheit sein will. aber so ist es ja immer. und ich frage mich oft, ob sicherheit alles sein kann oder ob es noch mehr gibt. wir haben es "das wilde land genannt" und immer, immer will ich dorthin aufbrechen. immer. es hat sich gar nichts verändert.

nur tust du es nicht. bzw. du gehst kurz mal weg und kommst gleich danach wieder, bereust es, hältst dich für naiv, es überhaupt zu versuchen.

ich halte mich dann für einen lemming. jemand, der sich von einer klippe schmeisst, weil er hofft, dass da unten etwas ist, wofür es sich lohnen würde

zu sterben?


...


nur eins noch, ana. die vorige nacht war halloween. mh, hab sie wohl verpennt, so geschafft, wie ich jetzt immer bin. aber glaubst du, dass die anderswelt rübergekommen ist zu mir? weil ich ja jetzt solche dinge schreibe. es wirkt so, als wäre ich aufgewacht


ja, im traum.

dichter dichter halloween nebel