22.4.10

geschichten aus shanghai






sheng huo xiu (life show - die farben des lebens...warum dieser öde deutsche titel?? hat dieser film nichts besseres verdient?).. gerade vorhin gesehen und wirklich gut gefallen. mir fällt auf, dass ich in letzter zeit mehr fernsehe als sonst. bzw. mehr hinsehe. manchmal läuft bei mir der fernseher im hintergrund und ich höre mehr zu als dass ich hinsehe. aber diesmal ist es schon anders. seit die filme und dokus über shanghai gezeigt werden, also seit einigen tagen, gefällt mir das medium fernsehen wieder richtig. es ist spannend. die stadt, von der ich vorher eigentlich fast gar nichts wusste, nimmt langsam ein gesicht an und ich finde es nicht übel.
im fokus: shanghai
gestern lief eine doku über das nachtleben in shanghai, die fremdenführerin war die undergroundpoetin mian mian, die mich seltsam an unsere szene vor über 10 jahren erinnerte, als noch interessante menschen unterwegs waren. nicht nur kinder, sondern erwachsene, die einfach nur cool waren. sorry, das war jetzt gemein. aber ehrlich.

ich würde diese dokus und spielfime über shanghai ja gern sammeln, zum immer wieder angucken. was meinen kaputten dvd-recorder vor ein ersthaftes problem stellt...

17.4.10




neues fischgetier. er ist ein spiegelkärpfling bzw. platy, lebt seit einigen tagen in meinem aquarium, hört noch auf keinen namen und hat eine frau, die eher photoscheu ist.

Lykke Li- Melodies and Desires

16.4.10

fenster mit einsicht



manchmal bin ich auf entdeckungstour. die orte, die mich dann wie magisch anziehen, haben alle eins gemeinsam: die häuser sind alt, verwohnt, benutzt, und man sieht die spuren von leben überall. keine neue tünche überdeckt die spuren auf den oberflächen und die hausmauern wirken warm und freundlich, obwohl sie sicher dreckig und manchmal gewiss nicht schön anzusehen sind. für mich sind sie trotzdem schön. verputz, der abbröckelt, alte verblichene konzertplakate, mauerwerk, das zum vorschein kommt. fensterläden aus holz, die an durchgerosteten scharnieren hängen und so aussehen, als würden sie bei dem nächsten windstoss heruntergeweht werden. fenster mit innenleben, fenster mit einsicht sozusagen, das nette gegenstück zum fenster mit aussicht. meistens stehen kakteen auf den fensterbänken und ab und zu pfennigbäume wie in den chinarestaurants. manchmal sogar eine richtig schöne anordnung von gegenständen, die liebevoll auf den fensterbänken arrangiert wurden. bunte alte glasflaschen mag ich besonders gern, mit altem, dickem glas. sachen, die man auf flohmärkten finden kann, wenn man richtig glück hat.

mir fällt gerade eine episode ein, es ist schon ewig her. ich war mit freunden unterwegs zum flohmarkt, es war noch früh am morgen und noch ganz diesig und grau. bevor das morgenlicht heraufkriecht, also diese zwischenstufe. noch nicht ganz morgen. wir kamen an diesem uralten haus vorbei und an einem fenster im erdgeschoss, das offen stand. jemand hatte über nacht das fenster offen gelassen. diesen jemand sahen wir dann auch. ich kann nicht wirklich sagen, dass der anblick etwas für geniesser war. wir blieben auf jeden fall alle ganz plötzlich stehen und starrten durch das fenster in ein zimmer, wo dieser dicke nackte mann im bett lag und schlief. er wandte uns den rücken zu, was gut war. trotzdem war es etwas, das man sein ganzes leben irgendwie nie vergisst. es sah surreal aus und irgendwie wie aus einem film. es war der erste dicke nackte mann in meinem ganzen leben.

man findet immer etwas interessantes, wenn man in erdgeschossfenster schaut. manchmal sind die dinge nicht wirklich schön, auf manche anblicke würde man auch ganz gern verzichten. trotzdem bin ich recht froh, nicht zu der gattung autofahrer zu gehören. ich bin noch immer der fussgänger schlechthin. und obwohl ich die autofahrer manchmal wirklich beneide, vor allem an kalten tagen, wenn meine vorliebe für regen von nassen haaren und eiskalten füssen ein wenig übertönt wird, werd ich wahrscheinlich noch eine lange zeit zu der aussterbenden gattung fussgänger gehören. zu denen, die in erdgeschossfenster spähen. du weisst nie, was auf dich wartet, wenn du viel zu fuss unterwegs bist. das ist sicher auch mit einer der gründe, warum ich ganz gut auf ein auto verzichten kann. vielleicht hab ich irgendwann wieder mal ein fahrrad, ein schwarzes riesiges rad. so ein echt altmodisches.

so, und kann mir jetzt jemand verraten, wie ich das bild des dicken nackten mannes wieder aus meinem kopf kriege?

13.4.10

"Why do people have to be this lonely? What’s the point of it all? Millions of people in this world, all of them yearning, looking to others to satisfy them, yet isolating themselves. Why? Was the earth put here just to nourish human loneliness?"

Haruki Murakami

Susanne Sundfør - The Brothel

3.4.10

farbenspiel

verwaschenes grau verschluckt alles, was vorhin noch störend war
der seele anlastete wie ein schweres gewicht
ein hässliches modernes bauwerk hier
ein abgestorbener baum dort
es lässt menschen wie geister durch die strassen huschen
die hauseingänge gähnen, ein kühler hauch weht von den kellern herauf
nur in einem kellerabteil brennt noch licht
ein armer student, der über seinen büchern sitzt
der aufschaut, wenn ich vorbeigehe und von mir nur die beine sieht
und den unteren teil meines roten zwergencapes
dessen rot sich langsam mit grau vermischt
auf der wassergrauen leinwand zerfliessen die farben
sie kehren in den malkasten zurück
damit jemand mit ihnen spielen kann

auf der strasse schillert öl in einer wasserlache
in allen farben des regenbogens
die farben sind schockierend bunt
in weiter ferne blinkt ein wald von neonschildern
ein wilder dschungel aus farben und licht
bunter sprühregen glitzert kurz wie giftiger nebel über den dächern

ich streife zartvioletten rauhreif von meinem grauen cape
und werfe einen brief an einen freund in den postkasten
er wird sich wundern, mein freund
denn über den umschlag ziehen sich filigrane muster
wie das blattwerk eines farnes
und anstatt einer marke glänzt ein silberner stern

1.4.10

Collecting everything we could of theirs, the Lisbon girls wouldn’t leave our minds but they were slipping away. The color of their eyes was fading along with the exact locations… of moles and dimples. From five, they had become four, and they were all the living and the dead, becoming shadows. We would have lost them completely if the girls hadn’t contacted us.




So much has been said about the girls over the years. But we have never found an answer. It didn’t matter in the end how old they had been, or that they were girls… but only that we had loved them… and that they hadn’t heard us calling… still do not hear us calling them from out of those rooms… where they went to be alone for all time… and where we will never find the pieces to put them back together.