16.8.13

wer braucht die hölle?

ein mädchen auf tumblr redet dauernd davon, sich umzubringen. sie sieht uns mit ihren riesenkulleraugen anklagend an und wiederholt andauernd, dass sie uns immer nur egal war und sein wird und dass es scheissegal ist, ob sie sich umbringt, denn es würde eh keinen interessieren. sie hat so unendlich viele mails bekommen. die leute reden auf sie ein wie auf ein krankes pferd. sie sagen ihr, dass sie sie mögen, einige verwenden sogar das gefährliche wort liebe .. sie sagen also, dass sie sie lieben, und da dreht sie dann immer zu und meint, nein, ihr hasst mich, ihr wisst es nur noch nicht. ihr hasst mich mit garantie, ihr kennt mich nur nicht. ich find sie irgendwie gut. bin immer gebannt davon, wie sie sich langsam in den sterbenswunsch hineinsteigert, mit jedem posting ein bisschen mehr. wow, gestern nacht hab ich sogar daran gedacht, die psychologen von tumblr auf sie anzusetzen.. es sah wirklich sehr endgültig aus. ich hab's nicht getan. und ich hab auch nicht auf sie eingeredet. würd mir eh nicht zuhören. ich weiss, dass sie ein follower von mir ist, also habe ich nen text über mich geschrieben, und über meinen suizidversuch, als ich 11 jahre alt war. mh, wahnsinn, und dann hab ich gründe zum leben angepriesen wie so'n händler am markt. das passt ja so gut zu mir lol- aber hat sie wahrscheinlich eh nicht gelesen und wenn ja, dann war es ihr sicher scheissegal, denn ihr dürfte jeder egal sein. kann man gut verstehen. ich darf gerade nicht darüber nachdenken. nicht daran denken, dass diese ganze sache mit dem suizid-wunsch so dreckig und ernst und widernatürlich ist. wenn kinder sterben wollen, freiwillig in den tod gehen, dann ist die ganze welt verrückt und dreckig und widernatürlich
wer braucht die hölle, wenn es hier so aussieht?

7.7.13

spätnachts

es ist so eigenartig, wenn man spätnachts aus dem fenster sieht, weil das geräusch des gartentores in der stille so laut ist und wenn man dann jemanden völlig fremden das haus betreten sieht, jemanden, den man noch nie im leben gesehen hat und der auf irgendeine eigenartige weise abstrakt wirkt. ein fremdkörper, unbekannte materie. es könnte ein fremder stern aus dem all das haus betreten und man würde es akzeptieren. in dieser gigantischen stille könnten entsetzliche dinge passieren.- doch es war nur eine frau, die ich noch nie gesehen hatte, eine neue nachbarin, und ich war müde

2.7.13

friedhofstraum

ich betrachtete gerade photographien von la recoleta, dem gigantischen friedhof in buenos aires
und musste plötzlich an den alptraum denken, den ich vor jahren hatte

ein schneeweisser friedhof, mit strassen zwischen den reihen von gruften. die gruften waren ebenfalls weiss wie schnee und blendeten in der sonne. es war seltsam, an einen friedhof bei sonne zu denken, denn damals war ich nur bei nacht auf den friedhöfen unterwegs.
die gruften waren wunderschön und sahen fremd aus, es war in einer stadt, die weit weg von hier war, oder in einer imaginären stadt, was logisch war, denn ich befand mich ja in einem alptraum

ein summen und surren von insekten weckte meine aufmerksamkeit. ich bewegte mich auf das geräusch zu, und mir fiel auf, dass ich mich nicht normal auf den beinen bewegte, sondern flog
ich schwebte über einer der strassen, die sich kerzengerade zwischen den gruftreihen hindurchzog und folgte dem schwirren und flattern, dem lärm von zahllosen insekten und da sah ich es

die ersten spuren von blut auf dem schneeweissen boden
das blut sah wie ein schrei aus auf dem sauberen weiss
ich flog näher (es tut gut, das zu schreiben - ich flog näher) und folgte den blutspritzern
auf der strasse. zuerst waren es nur blutspritzer und dann begann die blutspur, eine breite schlierige spur, noch nicht getrocketes blut. es war anscheinend ganz frisch, denn bei diesen temperaturen dürfte blut sehr schnell trocknen. ich fühlte keine hitze, obwohl ich mich in der prallen sonne befand und ich hatte den eindruck, als wäre es nicht nur der (alp)traum selbst, der mich vor den grellen strahlen der sonne schützte, sondern auch ein unfassbar kaltes glitzerndes licht, ein gleissen aus blau und silber, wie die wunderbare aura der heiligen madonna, kalt und lieblich und rein

ich sah nach unten
ein bündel lag auf der strasse, von dem eine strasse von insekten wegführte. ameisen, käfer und anderes getier bewegte sich auf dieser strasse, hin zum kadaver, um sich nahrung zu holen.
fliegen schwirrten um den kadaver, fast verrückt vom geruch des blutes und der hitze
und ich wartete und beobachtete
und es gab etwas, das ich niederringen musste,
das monströse in mir
und ich tat es,
so wie ich es immer tue


nachtrag: der friedhof sah ganz genau wie la recoleta aus
ich denke, er war es.

1.7.13

ich vermisse new orleans. das gespensterlicht. jeder riss im asphalt, jede schicht farbe auf den fassaden der häuser, jedes auch noch so winzigkleine fundstück hat für mich schon fast religiöse bedeutung.
ich vermisse die stimme der stadt, eine wichtige stimme auf dieser welt. eine ruhige, tiefe stimme, einschmeichelnd, ein schlaflied für meine seele, ein trost für mich.

und einschlafen möchte ich in den armen dieser stadt, mich zur ruhe betten unter den alten bäumen, zwischen den wurzeln,
die seele tanzend im weichen süssen licht, das wir gespenster so lieben
ich bin müde, du schöne, wunderschöne stadt
ich will schlafen
und träumen
von dir

19.3.13

wieder 2 kinder tot, haben sich selbst umgebracht oder sind umgebracht worden, von einigen besonders sadistischen individuen, who knows, who wants to know, wie ne gute freundin von mir oft zu sagen pflegt. tach fösch, für den fall, dass du das hier liest. wirst du wahrscheinlich nicht. aber ich sag trotzdem mal tach. (lass uns nach london abhauen)

für mich jedenfalls ist selbstmord meistens gleichbedeutend mit mord. der selbstmord beendet nur das, was andere begonnen haben. und ich frag mich, was das für ne verdammte hölle hier ist, wenn sich 2 ganz junge mädels auf die gleise eines güterzugs legen und sich von diesem scheissteil überfahren lassen. haben anscheinend auf den gleisen geschlafen. :( freunde oder besser gesagt bekannte von ihnen sagten, sie hätten es schon so lange geplant, die beiden. genial, wenn man dann das maul hält. lassen wir sie mal machen, ist im prinzip eh alles wurscht. ist es nicht. darf's gar nicht sein, sonst wär das hier wirklich nur die hölle und wir nur irgendwelche mechanischen tierpuppen ohne seelen.

ich meine, wenn man genau weiss, dass ein freund schon tabs hortet oder dauernd fantasien davon hat, sich vor den zug zu schmeissen, dann sollte man als freund auch handeln. wenn man weiss, dass der andere chancen auf ein leben hat. es gibt sicher auch andere fälle. wenn kein leben mehr möglich ist. nur stellt sich da sicher die frage, ab wann ein leben keins mehr ist und zum vegetieren wird. muss derjenige immer selber wissen. nur wenn der dann sagen wir mal dement ist oder irgendwie daneben steht oder sich nicht mehr klar äussern kann? wir leben in einer art hölle. irgendwie gibt's immer ne kreisbahn ohne ausweg. immer fragen, bei denen die antworten neue fragen aufwerfen, immer ohne ende und im grunde auch ohne logik. bis man aufgibt und diese fragen nicht mehr stellt. aber wenn die doch wichtig sind, diese fragen, die vielleicht keiner mehr stellen wird? dann bringen sich kids wie die beiden von eben um und jedem ist es egal.

6.12.12

What am I doing here in this endless winter?

- Franz Kafka, The Metamorphosis            

26.11.12

zu den versunkenen lichtern tauchen


der ort, den er auf der strassenkarte mit einem dicken schwarzen herz umrandet hatte
wie oft er im traum dort spazierengegangen war, wusste er nicht
doch eigentlich war er nie fortgewesen